
Vorwort
Alles neu macht der Mai.
Volksweisheit und Liedtext von Hermann Adam von Kamp (1829)
Neue Studienabschlüsse geben Gelegenheit zur Revision und Neuordnung von
Lehrinhalten und darauf aufbauend zur Umgestaltung von Lehrbüchern. Dies gilt
insbesondere für die Technische Mechanik: Seit zwei Semestern haben Bachelor-
und Masterstudiengänge an der Technischen Universität Berlin sowie an den
Universitäten Nordrhein-Westfalens Einzug gehalten und den Stundenanteil der
Lehre in den Teilgebieten Statik, elementare Festigkeitslehre, Dynamik,
Kontinuumsmechanik (Grundlagen) und Energieprinzipe (statisch unbestimmte
Systeme, Vorbereitung der Methode der finiten Elemente) nicht gerade weiter
erhöht. Gleichzeitig stellen die verschiedenen Disziplinen in den
Ingenieurwissenschaften teilweise einander widersprechende Anforderungen an die
Mechaniker. So wäre es den Bauingenieuren beispielsweise lieb, dass weiterhin
die graphischen Verfahren der Statik gelehrt würden, die Umformtechniker hätten
dagegen eher die Betonung auf der Festigkeitslehre, etc.
Mit der vorliegenden Neuauflage haben wir versucht, diesen divergenten
Strömungen gerecht zu werden. Dabei sind wir zunächst einmal von den
Verhältnissen an der TU Berlin ausgegangen wie folgt. Die oben genannten 5
Teilgebiete werden als 4 Module (Statik und elementare Festigkeitslehre werden
als ein Modul behandelt) für das Bachelor-Studium in jedem Semester angeboten
und von insgesamt 4 Mechanikprofessuren im Wechsel betreut. Sie haben im Falle
der Statik, elementaren Festigkeitslehre sowie Dynamik einen Umfang von 4
Vorlesungs- und 2 Übungsstunden. Für die Module Kontinuumsmechanik und
Energieprinzipe sind jeweils 2 Vorlesungs- und 2 Übungsstunden angesetzt. Im
Wintersemester stehen etwa 16 und im Sommersemester 15 Wochen für die Lehre zur
Verfügung (Feiertage berücksichtigend).
An anderen Hochschulen wird die Statik, Festigkeitslehre und Dynamik auf mehr
als zwei Semester verteilt, bei insgesamt etwa gleichem Stundenumfang.
Kontinuumsmechanik sowie Energieprinzipe findet man dort auch oft unter dem
Titel Höhere Festigkeitslehre, so dass die in diesem Buch präsentierten
Inhalte auch anderswo direkt verwendet werden können.
Unsere Erfahrung in der Lehre hat gezeigt, dass dann auch noch Zeit bleibt, um
einige der im Buch grau umrandeten Themen zu behandeln, welche unsere Meinung
nach zusätzliche, durchaus wünschenswerte Informationen für die Studierenden
bereitstellen und den Anforderungen anderer Disziplinen gerecht werden.
Wir
trauern um unseren Kollegen und engen Freund Prof. Dr. rer. nat. Thorsten
Hampel, der während der Arbeiten zur Fertigstellung der dritten Auflage dieses
Buches plötzlich und unerwartet verstorben ist. Thorsten Hampel ist uns seit
vielen Jahren eng verbunden gewesen. Er hat nicht nur den Begriff, sondern auch
die Philosophie mechANIma Mechanik und Animation entscheidend geprägt und
seit Beginn der multimedialen Aufarbeitung der Themen der Technischen Mechanik
maßgebend mitgewirkt. Er war Ideengeber und Motor mit einer besonderen Begabung,
junge Menschen zu motivieren und zu kreativer Arbeit anzuleiten. Er wird uns
sehr fehlen.
Abschließend gilt unser Dank noch allen unseren studentischen Helfern, nämlich
den Damen und Herren cand.-ing.`s Matti Blume, Claudia Gertheinrich, Anna Japs,
Anja Klinnert, Volker Marholt, Matthias Markgraf, Christoph Menzel, Frau Dipl.-Wirt.-Ing.
Isabel Koke sowie Herrn Dipl.-Ing. Guido Harneit (für die Rechneradministration
und Softwareunterstützung) sowie last but not least
Herrn Dipl. Phys. Jochen Horn vom Carl Hanser Verlag.
Wolfgang H. Müller und Ferdinand Ferber im Sommer 2008
Vorwort zur 2. Auflage
Manche Fragen wurden uns öfter gestellt, so zum Beispiel die nach dem Sinn, in
einem Anfängerlehrbuch Grundzüge der Kontinuumsmechanik sowie die Prinzipe der
Mechanik vorzustellen. Dies hätte mitten im Lehrbuch einen deutlichen Sprung im
Schwierigkeitsgrad zur Folge und gehöre eigentlich auch gar nicht zur
Ingenieurmechanik. Unsere Antwort darauf ist, dass mit Beginn des dritten
Semesters die Ingenieursstudenten mathematisch genügend vorgebildet sein müssen,
um anspruchsvollerem Stoff zu folgen. Außerdem ist beides die Grundlage für ein
tiefergehendes Verständnis moderner finite Elementprogramme, mit denen sich
heutzutage jeder Ingenieur früher oder später auseinanderzusetzen hat. Weiteres
Lob und auch Kritik galt den Minibiographien der im Text vorkommenden
Wissenschaftler. Selbstverständlich ging es uns nicht darum, einen vollständigen
Einblick in das Leben und Schaffen dieser Persönlichkeiten zu geben. Die
Intention war vielmehr zu zeigen, dass es sich bei ihnen letztendlich um
Menschen handelt, bzw., um mit Eugen Roth zu sprechen, oft sogar um Unmenschen.
Dieses rechtzeitig zu erkennen, sollte gerade der jungen Generation ermöglicht
und nicht verheimlicht werden.
Schließlich wurden mehr Übungsaufgaben gewünscht. Um das vorliegende Buch
nicht unnötig aufzublasen, haben wir uns entschlossen, ein separates Übungsbuch
zu verfassen. Darin wird man auch die viel vermisste Koppeltabelle zur
Berechnung von Verschiebungen und Reaktionen in statisch bestimmten und
unbestimmten Systemen nach dem Prinzip der virtuellen Kräfte finden.
Besonderer Dank gilt den Emeriti Professor Erich Wolf von der Technischen
Universität Berlin und Professor Helmut Wild von der Universität Paderborn,
wobei letzterer grundlegend bis einschließlich Kapitel 10 mitgewirkt hat.
Die Erstellung der CD-ROM erfolgte durch Frau Isabel Koke sowie den Herren
Ludger Merkens, Christian Sprock und Georg Eschhaus von der Universität
Paderborn, denen unser besonderer Dank gilt.
Abschließend gilt unser Dank noch allen weiteren Helfern, insbesondere Herrn
Guido Harneit sowie Herrn Jochen Horn vom Carl Hanser Verlag.
Wolfgang H. Müller und Ferdinand Ferber im Sommer 2004
Vorwort zur 1. Auflage
Unser Buch zu den Grundlagen der Technischen Mechanik ist das Resultat von
Vorlesungen über viele Jahre, die wir an der Universität Paderborn, der
Heriot-Watt University in Edinburgh und seit neuestem auch an der Technischen
Universität Berlin gehalten haben. Letztendlich jedoch geht der Text auf Ideen
und Anregungen zurück, die aus den Notizen und Vorlesungen von Herrn Professor
Helmut Wild / Paderborn stammen. Ihm sei an dieser Stelle besonders herzlich
gedankt. Der hier präsentierte Stoff bietet Material für das
Ingenieurgrundstudium an deutschsprachigen Universitäten und Technischen
Hochschulen und deckt sich mit dem Inhalt der einsemestrigen Veranstaltungen
Mechanik A (Statik) und Mechanik B (elementare Festigkeitslehre), wie sie an der
Universität Paderborn Studenten des Maschinenbaus hören, sowie der
einsemestrigen Vorlesungen Mechanik 1 (Einführung in die Statik und
Festigkeitslehre), Mechanik 2 (Reibung, Stabilität, elementarer Energiesatz,
Massenpunkt- und 2D-Starrkörperdynamik, Schwingungen) und schließlich Mechanik
3 (Kontinuumsmechanik, insbesondere Grundlagen der Elastizitätstheorie,
Kontinuumsschwingungen und Hydromechanik sowie Energieprinzipe und höhere
Dynamik), wie sie für Studenten des Maschinenbaus, des Verkehrswesens und der
Physikalischen Ingenieurwissenschaft an der Technischen Universität in Berlin
derzeit vorgeschrieben sind.
Viele waren an der Entstehung dieses Buches sowie der begleitenden Software
aktiv beteiligt, Studenten, Assistenten, technisches und nicht-technisches
Personal. Ohne sie wäre diese Arbeit nicht vollendet worden. Ein besonderes
Dankeschön gilt den Helfern aus jüngster Zeit, Karin Bethke, Dipl.-Ing. (FH)
Guido Harneit, Berrit Krahl, cand. ing. Manuela Krüger sowie Ingenieur Hadi
Sawan, cand. ing. Torsten Schneider und Ingenieur Firas Seifaldeen. Die
Erstellung der CD erfolgte durch cand. Wirt.-Ing.`s Isabel Koke, Volker Huneke
sowie Herrn Ludger Merkens. Aufgaben zum Dynamikteil sind auf der CD im Moment
nur rudimentär vorhanden. Dass hierzu überhaupt Material existiert, ist Herrn
Dipl.-Math. Stefan Neumann von der Universität Paderborn zu verdanken. Herrn
Kollegen Prof. Dr.-Ing. Albert Duda ist für die kritische Durchsicht des
Manuskripts und viele Verbesserungsvorschläge zu danken.
Unter den angehenden Ingenieuren ist die Technische Mechanik ein notorisch
unbeliebtes Studienfach. Nicht zuletzt aufgrund der ihr eigenen
mathematisch-formalen Struktur gilt sie als "theoretisch" und "unpraktisch", ja,
bei nicht wenigen ist sie sogar als "altmodischer", den Erfordernissen modernen
Ingenieurwesens nicht länger gerecht werdender Ballast verschrien. Dies ist
jedoch ein Irrtum, denn die tägliche Ingenieurpraxis zeigt, dass neue
Konstruktionen, im Mikro- wie im Makrobereich, zur Bestimmung ihrer
Zuverlässigkeit die klassischen Konzepte der Mechanik benötigen und sich die
Totgesagte somit bester Gesundheit erfreut und bei der Herstellung besserer
technischer Produkte hilft. Die Konzepte der Technischen Mechanik zu kennen, zu
beherrschen und anzuwenden ist leider nur durch Übung möglich. Dies erfordert
Geduld und Ausdauer und zwar von beiden Seiten, den Lernenden und den Lehrenden.
Zum Trost sollten die Studenten bedenken, dass am Ende der geistigen Anabasis
auch ihnen als Lohn ein Diplom winkt, dessen Bedeutung für unser Leben schon der
Wizard of Oz richtig einzuschätzen wusste.
Überhaupt, dass der angehende Ingenieur es nicht immer leicht hat, wurde bereits
von Thomas Mann in seinem Roman Der Zauberberg bemerkt. So erwähnt eine
der Hauptfiguren des Romans, Hans Castorp, zu seinem behandelnden Arzt, Dr.
Krokowski, beiläufig, dass er gerade sein Examen bestanden hätte: "Was für ein
Examen haben Sie abgelegt, wenn die Frage erlaubt ist?" "Ich bin Ingenieur, Herr
Doktor", antwortete Hans Castorp mit bescheidener Würde. "Ah, Ingenieur"! Und
Dr. Krokowskis Lächeln zog sich gleichsam zurück, büßte an Kraft und
Herzlichkeit für den Augenblick etwas ein. "Das ist wacker. Und Sie werden hier
also keinerlei ärztliche Behandlung in Anspruch nehmen, weder in körperlicher
noch in psychischer Hinsicht?" "Nein, ich danke tausendmal!" sagte Hans Castorp
und wäre fast einen Schritt zurückgewichen.
Eines darf abschließend ohne zu zaudern festgestellt werden: Das rechtzeitige
Studium dieses Buches inklusive Bearbeitung der auf der CD angebotenen Übungen
vor der Klausur, bewahrt vor dem Zauberberg und der Inanspruchnahme ärztlicher,
insbesondere psychiatrischer Hilfe.
Wolfgang H. Müller und Ferdinand Ferber im Sommer 2003
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